GeFühle fetzen

Weiter, immer weiter machen


Johanna

Johanna

15 Jahre – braucht saubere Hände


«Ständig muss ich mir die Hände waschen. Ich kann kaum was dagegen tun. Meine Gedanken kreisen nur noch um das Händewaschen.»

So, die Tasse ist sauber, abgetrocknet und weggestellt. Jetzt muss ich mir nur noch unbedingt die Hände waschen. Die wurden durch das Spülwasser nur dreckig.

Da sollte ich lieber extra lange waschen. Erstmal mit der normalen Seife und dann mit der Seife, die zu 99 Prozent Bakterien abtötet.

Ich weiß, dass ich meine Hände heute schon 20 Mal gewaschen habe, aber sicher ist sicher. Sie sind bestimmt schon wieder verseucht. Und ich will ja auch nicht krank werden, da ist es besser, wenn ich sie noch mal gründlich wasche. Ich muss mir abgewöhnen, so sehr zu rubbeln. Meine Hände sind ganz rot und tun auch schon etwas weh. Aber zumindest sind sie jetzt sauber.

Ständig muss ich mir die Hände waschen. Ich kann kaum was dagegen tun. Wenn ich nach Hause komme, muss ich meine Hände waschen. Überall gibt es Keime. Meine Hände sind rot, tun weh und ich habe an einigen Stellen Risse durch das gründliche Waschen, aber so kann ich sichergehen, dass sie sauber sind. Meine Freunde sagen, ich sei verrückt, aber die können das auch nicht verstehen.

Meine Gedanken kreisen nur noch um das Händewaschen. Das muss ich dann so schnell wie möglich machen, weil ich den Gedanken sonst nicht mehr loswerde. Erst wenn ich dann wieder saubere Hände habe, geht es mir besser und mein Kopf beruhigt sich. Das hält aber nur kurze Zeit. Dann geht’s wieder los.

Nach einiger Zeit fängt das dann von vorne an. Ich erledige etwas und muss dann sofort meine Hände waschen, weil ich den Gedanken um die dreckigen Hände und die Krankheiten, die man davon bekommen könnte, nicht stoppen kann.

Es ist wie ein Strudel, der stärker wird und erst aufhört, wenn ich dem Drang, meine Hände zu waschen, nachgebe. Allerdings nur für kurze Zeit.

Mutter

Es ist wie ein Strudel, der stärker wird und erst aufhört, wenn ich dem Drang, meine Hände zu waschen, nachgebe.

Wie wäre es, wenn du das Händewaschen erstmal reduzierst, vielleicht nur jedes zweite Mal deinem Drang nachgibst?

Vater

Da sollte ich lieber extra lange waschen. Erstmal mit der normalen Seife und dann mit der Seife, die zu 99 Prozent Bakterien abtötet.

Wenn du so weitermachst, sind deine Hände irgendwann entzündet.

Emma R., Psychotherapeutin

Ständig muss ich mir die Hände waschen. Ich kann kaum was dagegen tun. Habe ich eine Sache erledigt, wie z. B. den Abwasch oder den Müll wegzubringen, muss ich meine Hände waschen. Sie sind rot, tun weh und ich habe an einigen Stellen Risse durch das gründliche Waschen, aber so kann ich sichergehen, dass sie sauber sind.

Regelmäßiges Händewaschen ist ja erst einmal gar nichts Schlechtes. Eltern versuchen, ihren Kindern beizubringen, sich z. B. vor dem Essen die Hände zu waschen, damit keine Krankheitserreger direkt in den Mund kommen. Und manche Menschen sind da eben vorsichtiger als andere. Deshalb waschen sich manche Menschen nur 1-2 Mal am Tag die Hände und andere Menschen eben häufiger. Das ist erst einmal in Ordnung. Problematisch wird es aber dann, wenn man nur noch an das Händewaschen denkt, wenn man das Händewaschen nicht mehr lassen kann, obwohl die Haut dabei kaputtgeht, oder wenn das Händewaschen so lange dauert, dass man z. B. ständig zu spät zur Schule kommt. Dann wird das Händewaschen zu einem Zwang. Es ist dann wie ein Monster, dem man völlig ausgeliefert ist und das einen zwingt, etwas zu tun. In diesem Fall braucht der Betroffene Hilfe von einem Psychotherapeuten, der dabei hilft, dass du den Zwang bekämpfen kannst. Liebe Johanna, bei dir hört es sich so an, als ob das Zwangsmonster dich schon fest in seinen Klauen hat. Ich würde dir raten, einen Psychotherapeuten aufzusuchen.

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