GeFühle fetzen

Unendlich traurig


Lorenz

Lorenz

17 Jahre – fühlt eine große Leere


« Oft starre ich die Wand an und fühle eine große Leere, wie eine schwere Decke liegt sie auf mir drauf. Ich will niemanden sehen. »

Es fühlt sich an wie hinter einer Glasscheibe. Als wäre ich eine Schaufensterpuppe und schaue den Menschen da draußen beim Leben zu. Sie stehen auf, gehen in die Schule oder zur Arbeit, kochen Ewigkeiten etwas, das sie dann gleich wieder aufessen. Nichts bleibt.

Wozu das alles? Am Ende sind wir doch alle tot und alles war umsonst. Ich verstehe nicht, was die Leute hinter der Scheibe antreibt. In mir ist alles leer. Manchmal halte ich das nicht mehr aus und wünsche mir, dass es aufhört.

Morgens ist es am schlimmsten. Da habe ich den ganzen Tag vor mir und weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll. Wofür aufstehen? Für die Schule? Fabian, Nick und Peter, die neben mir sitzen, reden nur noch darüber, was sie nach der Schule machen werden. Ich habe keine Ahnung, was ich will. Ja, ich bin gut in Deutsch, ich könnte Journalist werden. Aber wozu? Damit noch einer mehr über das Elend der Welt schreibt und doch nichts dagegen tun kann?

Niemand versteht mich. Für die anderen bin ich die Spaßbremse. Ich bin der, der immer zu ernst ist. Es gibt einfach nichts, was mir Spaß macht.

Oft starre ich die Wand an und fühle eine große Leere, wie eine schwere Decke liegt sie auf mir drauf. Ich will niemanden sehen. Meine Zimmertür schließe ich meistens ab und halte mir die Ohren zu, wenn meine Mutter klopft und versucht, mich zu überreden, mit ihr zu essen. Ich will nicht, ich will allein sein und auch wieder nicht. Ich will nichts erklären, hab auch keine Antworten auf ihre Fragen.

Klar wäre ich auch gern wie die anderen, würde mich freuen und Spaß an Sachen haben. Sonst hat ja auch keiner Bock auf dich. Manchmal nehme ich mir das abends fest vor. Ich überlege mir, dass ich am nächsten Tag, gleich nach dem Aufwachen, aufstehe, nach der Schule ins Kino gehe und vielleicht einen aus der Klasse frage, ob er mitwill. Dann lege ich mich schlafen und die Scheibe fühlt sich etwas dünner an, irgendwie leichter. Aber dann wache ich morgens auf und denke, was ich mir abends überlegt habe, ist Quatsch. Ich kann es nicht. Es ergibt einfach alles keinen Sinn.

Niklas, Freund

Niemand versteht mich. Für die anderen bin ich die Spaßbremse. Ich bin der, der immer zu ernst ist. Es gibt einfach nichts, was mir Spaß macht.

Das mit der Spaßbremse stimmt. Aber wir sind doch Freunde, Lorenz, und das ist mehr als Spaß. Wir kennen uns jetzt seit so vielen Jahren und haben immer über alles geredet, auch, wenn mal einer von uns Scheiße drauf war. Seit einiger Zeit verstehe ich dich oft nicht. Aber ich möchte dich gerne verstehen.

Vater

Morgens ist es am schlimmsten. Da habe ich den ganzen Tag vor mir und weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll. Wofür aufstehen?

Ich rate dir, trotz aller Gelähmtheit, aufstehen und irgendetwas machen.

Mutter

Klar wäre ich auch gern wie die anderen, würde mich freuen und Spaß an Sachen haben.

Lorenz, du brauchst Hilfe, um wieder Lebensfreude zu bekommen

 

Helmut F., Psychotherapeut

Wozu das alles? Am Ende sind wir doch alle tot und alles war umsonst. Ich verstehe nicht, was die Leute hinter der Scheibe antreibt. In mir ist alles leer. Manchmal halte ich das nicht mehr aus und wünsche mir, dass es aufhört.   

So wie du, lieber Lorenz, fühlen sich viele Menschen, die an einer Depression leiden. Sie haben das Gefühl, dass das Leben sinnlos ist. Sie fühlen sich vom Leben und allen anderen Menschen abgeschnitten. Und selbst, wenn sie sich vornehmen, wieder am Leben teilzunehmen, gelingt es ihnen aus eigener Kraft nicht. Sie brauchen einen Psychotherapeuten oder Arzt, der ihnen hilft. Denn du musst wissen: Depressionen sind behandelbar! Ich würde dir raten, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Er wird dir dabei helfen, dass du einen Weg findest, aus der Depression herauszukommen.

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