GeFühle fetzen

Ich bin nicht gut genug


Sybille

Sybille

14 Jahre – kann ihre Figur nicht ausstehen


«Die meisten anderen Mädchen in der Klasse tragen schon BH und laufen selbstbewusst in mega engen Tops rum. Ich versuche immer nur, so wenig wie möglich aufzufallen.»

Am schlimmsten ist es beim Schulschwimmen. Da will ich am liebsten krank sein oder es so gut haben wie Rukiye aus der Klasse, die ist immer entschuldigt wegen ihrer Religion. Schon schlimm genug, dass ich mich mit den anderen duschen muss. Voll der Krampf. Aber dann raus im Badeanzug zum Schwimmen mit den Jungs – der Horror!

Die meisten anderen Mädchen in der Klasse tragen schon BH und laufen selbstbewusst in mega engen Tops rum. Sie stylen sich und machen sich Frisuren, um auszusehen wie Selena Gomez oder irgendwelche Popstars. Die Jungs pfeifen ihnen hinterher, sie schreiben ihnen Nachrichten und laden sie ins Kino ein.

Mich hat noch nie ein Junge angesprochen, geschweige denn zu irgendwas eingeladen. Im Gegenteil, sie machen mich dumm an und hauen noch drauf: Milena, du Stacheldrahtmaul, Schlumpf …

Wie in den High-School-Filmen, da gibt es auch immer das hässliche Entlein und die tolle Cheerleaderin, die alle lieben. Ich werde nie so eine werden, sondern immer die bleiben, die zuletzt in eine Mannschaft gewählt wird beim Sport.

Ich versuche immer nur, so wenig wie möglich aufzufallen. Unter den weiten Skatersachen sieht keiner, dass ich flach wie ein Brett bin, aber dafür fette Oberschenkel habe wie ein Pferd. Ich hasse einfach alles an mir: meine Figur, meine strähnigen Haare, meine Pickel, meine Zähne, meine komischen Augenbrauen, sogar meine Füße sind abstoßend hässlich.

Wenn ich mich fertig mache zum Rausgehen, vermeide ich es, zu lange in den Spiegel zu schauen.

Zwar habe ich auch Freundinnen, aber wenn ich ihnen erzähle, wie hässlich ich mich finde, sagen sie ja eh nur, dass es nicht stimmt.

Wie soll sich denn je irgendjemand in so was wie mich verlieben?

Mutter

Ich hasse einfach alles an mir: meine Figur, meine strähnigen Haare, meine Pickel, meine Zähne, meine komischen Augenbrauen, sogar meine Füße sind abstoßend hässlich.

Oh Sybille. Wie schrecklich, deine Geschichte zu lesen. Weil sie mich so an mich selbst erinnert, als ich 15 war. Daran habe ich lange nicht mehr gedacht und nicht gemerkt, dass du so sehr leidest. Die Hölle, echt grausam. Ich kram mal ein paar Fotos von mir von früher heraus, damit du was zu lachen hast. Dann erzähle ich dir auch, was ich damals gemacht habe.

Maja, Freundin

Wie soll sich denn je irgendjemand in so was wie mich verlieben?

Kennst du den Film „Keinohrhasen“? Da spielt Nora Tschirner eine etwa 30-jährige Frau, die Anna heißt, und die ihren alten Schulkameraden Ludo, der von Til Schweiger gespielt wird, wiedertrifft. Ludo hat Anna, die ehrlich gesagt wirklich kein besonders hübsches Mädchen war, zu Schulzeiten ziemlich drangsaliert und ihr zum Beispiel Magnetsteine gegen die Zahnspange geworfen. Und irgendwie ist Anna auch als Frau am Anfang des Films nicht unbedingt ein Supermodel. Sie sieht ehrlich gesagt ziemlich bescheuert aus mit ihrer riesigen Brille und den komischen Klamotten. Und trotzdem verliebt sich Ludo im Laufe des Films in sie – weil sie lustig und intelligent ist. Was ich damit sagen will: Schulschwimmen, Pickel und Zahnspange gehen vorbei und Äußerlichkeiten sind letztlich sowieso nicht wichtig! Hauptsache, man versteht sich gut mit jemandem.

Peter A., Psychotherapeut

Ich hasse einfach alles an mir: meine Figur, meine strähnigen Haare, meine Pickel, meine Zähne, meine komischen Augenbrauen, sogar meine Füße sind abstoßend hässlich.

Das hört sich wirklich sehr verzweifelt an, wie du da über dich selbst berichtest und es klingt, als würdest du derzeit wirklich kein gutes Haar an dir lassen. Und offensichtlich ist es für dich im Moment überhaupt nicht nachvollziehbar, dass deine Freundinnen deine Bewertung gar nicht teilen. Aber die scheinen ja doch etwas Liebenswertes an und in dir zu sehen, auch, wenn dir selbst das so gar nicht gelingen mag. Sonst wären sie sicher nicht mit dir befreundet. Vielleicht können sie dich unterstützen, doch etwas an dir zu entdecken, was dir zumindest ein wenig gefällt. Aber dafür müsstest du den Gedanken zulassen, dass du was Positives entdecken könntest. Dich selbst ein wenig mehr zu mögen, so wie du bist, erhöht die Chance, dass sich jemand in dich verliebt.

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