GeFühle fetzen

Weiter, immer weiter machen


Uli

Uli

14 Jahre – trinkt gerne


«Natürlich war ich schon mal besoffen, hallo? Ist doch easy.»

Natürlich war ich schon mal besoffen, hallo? Ist doch easy. Am Wochenende mit den Jungs hängen wir im Park rum oder bei jemandem zu Hause, wenn die Eltern nicht da sind. Dann knallen wir uns richtig weg, mit Bier und ein paar Kurzen.

Irgendwann muss ich dann kotzen. Dann möchte ich nie wieder eine Flasche in die Hand nehmen. Oder zumindest nicht so schnell wieder und so viel saufen. Aber nur ein Bier oder nur einen Drink – das hat noch nie funktioniert.

Zu Hause schleich ich dann in mein Zimmer, aber meine Mutter bekommt schon das Meiste mit. Ganz leise bin ich ja meist nicht mehr.

Vor ein paar Wochen bin ich aufgewacht, da saß sie neben meinem Bett. Ein Eimer stand auch dort. Von Jonas habe sie mich abholen müssen, ich hätte mich ins Auto erbrochen und hätte nur noch unverständlich gelallt. Erinnern konnte ich mich an nichts davon. Sie hat geweint, mir tat es leid und die Situation war mir auch wirklich peinlich. Ich habe ihr dann versprochen, dass ich nicht mehr saufe. Am nächsten Wochenende habe ich wieder das Gleiche abgezogen. Was genau da ablief, weiß ich allerdings auch nicht mehr. Nur dass sie nichts mehr gesagt hat.

Ich freue mich immer schon am Montag darauf, am Freitag wieder zechen zu können. Oft sitze ich auch in der Schule und merke, dass ich gar nicht dem Unterricht folge, sondern an Fanta mit Korn denke. Oder ich überlege, wen aus den höheren Klassen ich fragen könnte, ob er mir und den Jungs Schnaps besorgt. An den Barschrank meines Vaters traue ich mich nicht mehr, weil ich das Drama zu Hause vermeiden möchte.

Ich meine, ich bin nicht süchtig danach oder so. Es macht einfach nur Spaß. Wenn ich erst mal angefangen habe, möchte ich am selben Abend auch nicht mehr aufhören.

In drei Wochen sind schon Ferien. Ich weiß genau, dass ich dann jeden Abend mit Jonas und den anderen verbringen werde. Hoffentlich fahren meine Eltern mal in den Urlaub.

Mutter

Vor ein paar Wochen bin ich aufgewacht, da saß sie neben meinem Bett. Ein Eimer stand auch dort. Von Jonas habe sie mich abholen müssen, ich hätte mich ins Auto erbrochen und hätte nur noch unverständlich gelallt. Erinnern konnte ich mich an nichts davon.

An dem Abend habe ich mir solche Sorgen um dich gemacht. Es war so schlimm, dich so betrunken zu sehen. Am nächsten Morgen war ich dann wütend. Ich kann einfach nicht verstehen, wie du dein Leben wegen des Alkohols kaputtmachen kannst. Du bist doch noch so jung! Ich mache mir Vorwürfe, etwas falsch gemacht zu haben bei deiner Erziehung. Und ich bin ratlos. Ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann; wie ich dir klar machen soll, dass der Spaß schnell zur Sucht werden kann, oder besser – schon geworden ist. Du hörst mir ja nicht mehr zu! Vielleicht sollten wir mal gemeinsam zu einer Beratungsstelle gehen.

Jonas, Freund

In drei Wochen sind schon Ferien. Ich weiß genau, dass ich dann jeden Abend mit Jonas und den anderen verbringen werde.

Ich mache ja auch gerne Party. Aber Uli übertreibt in letzter Zeit ganz schön. Das letzte Mal war ihm so schlecht, dass wir seine Mutter angerufen haben, damit sie ihn bei mir abholt. Florian hat nur noch gelallt und war schon ganz blass im Gesicht, mit kalten Schweißperlen auf der Stirn. Da haben wir Angst bekommen, dass er eine Alkoholvergiftung hat. Ich finde, Uli sollte mal ein bisschen auf die Bremse treten, sonst macht das bald keinen Spaß mehr mit ihm.

Daniela B., Psychotherapeutin

Ich meine, ich bin nicht süchtig danach oder so. Es macht einfach nur Spaß. Wenn ich erst mal angefangen habe, möchte ich am selben Abend auch nicht mehr aufhören.

Ich meine, Alkohol ist bei dir schon zu einem Problem geworden. In deinem Alter regelmäßig Alkohol zu trinken, schadet dir dauerhaft. Alkohol stört die Entwicklung deines Gehirns, mehr als bei Erwachsenen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Gedächtnis von Jugendlichen schädigt und die Intelligenzentwicklung beeinträchtigt. Besonders gefährlich ist der Alkoholrausch. Du verlierst die Kontrolle über dich, du machst vielleicht Dinge, die du am nächsten Tag bereust oder verletzt dich oder andere bei einem Unfall oder bei einem Streit. Hinzu kommt das Risiko, süchtig zu werden und in einen Sog zu geraten, der dich immer weiter nach unten zieht. Jetzt kannst du noch „Stopp“ sagen und die Kontrolle über dich zurückgewinnen. Dabei solltest du dir helfen lassen. Du kannst dich dazu an Jugend- und Suchtberatungsstellen wenden. Das geht auch anonym über das Internet. Hilfe findest du auch bei einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

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